Wintersportlager Melchsee-Frutt 2020

«Sie, chan ich eis a d Oore ha?» — Der Satz hatte Kultstatus im Wintersportlager 2020 auf der Melchsee-Frutt, nicht zuletzt, weil er ernst gemeint war und mit bittendem Blick ausgesprochen wurde.

Ein Masochistenlager in der heilen Alpenwelt?! Skandal im Schnee?!!

Welche Abgründe offenbaren sich da…

Des Rätsels Lösung war die diesjährige Lagerwährung: Die kleinste Einheit war «eis a d Oore». «E Fuuscht» waren 100 a d Oore, «en Gingg» war 10 Füüscht. Die höchste Einheit – ein Chuck Norris – wurde als «nicht erreichbar» eingestuft. Die ganze Woche über gab es Gelegenheiten, sich zu bereichern: Olympiaden, Wetten, Schmeicheleien, kleine Jobs oder kaltblütige Erpressungen führten zum schnöden Mammon. Ende Woche lauerte der Casino-Abend mit Auktion, da wollte keiner blank sein.

Der Schocker für die Schüler (genauer: die Drittklässlerinnen) folgte schon im Car auf der Hinfahrt: Sturm Sabina hatte die Jurte weggefegt, auf welche sie sich doch so gefreut hatten. Die Zimmereinteilung gab denn auch einiges zu reden, doch letztlich fand jeder einen Schlafplatz und eine Steckdose für seine drei Ladegeräte.

In Sachen Schnee konnten wir uns nicht beklagen. Lediglich die Snowboard-Anfänger hätten sich einen weicheren Untergrund gewünscht, nachdem beide Knie zwetschgenblau geschlagen waren. (Ende Woche war’s dann weicher, doch dann konnte man ja bereits sicher auf dem Brett stehen!)

Die Sonne zeigte sich mehr als angesagt und auch der Hotpot enttäuschte nicht: Der Rekord von 10 Badenden gleichzeitig wurde erneut bestätigt. Zuvor mussten aber mehrere Schaufeln Schnee helfen die Temperatur zu senken, sonst wären ein paar zarte Erstklässler zu schnell «al dente» gekocht worden.

Das Leiterteam wurde leicht aufgemischt: Herr Maegerle wurde kurzfristig durch unseren Zivi, Andrea Valastro, ersetzt. Zum Leidwesen einiger Schülerinnen erhielt er für Notfälle das uralte Schulhandy — seine Mobile-Nummer bleibt daher ein Geheimnis. Ebenfalls neu dabei war Petra Sturzenegger, welche zwar anders hiess, sich aber in diesen Rufnamen schickte.

Am Abend wurden Duelle am Dog-Brett und am Nagelstock ausgetragen, Dartpfeile flogen gegen die Wand, Werwölfe meuchelten unschuldige Opfer, Looping-Louie kam im Sturzflug daher und beim Meiern wurde gelogen ohne rot zu werden. Der Outdoor-Abend musste dann aber gestrichen werden: Sabinas Nachfolgerin «Bianca» wütete schon am Nachmittag, die Bahnen stellten um drei Uhr den Betrieb ein und der Wind pfiff ums Haus als wolle er die Ecken rundschleifen. Man war sich einig: Wäre die Jurte nicht schon früher zerlegt worden, hätte sie diese Nacht nicht überstanden.

Der Freitag war dann die Belohnung: Über 30 cm Neuschnee und stahlblauer Himmel. Wen juckt es da, dass es kein Skirennen gab? — Ab auf die Piste!

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