Klassenlager 1Aa und 2A 2019 in Sarnen

Erster Eindruck: Es scheint sich nicht um ein 5tägiges Klassenlager zu handeln, sondern um eine Gruppe Ausreisewilliger, welche ihr Leben in der Schweiz hinter sich lassen.

Anders lässt sich die Gepäckmenge kaum erklären. Die Rollkofferfraktion machte über 95% aus und wer keinen hatte kam in Verdacht das Bügeleisen, den Zweitfernseher und die Modelleisenbahn zu Hause vergessen zu haben.

Dabei war eigentlich nur der Regenschutz wirklich wichtig.

Nach dem Bezug der Unterkunft Ei in Sarnen (viel Platz, viiiele Steckdosen für Smartphones, viiiiiele Regeln...) wurde die Gegend per Velo und das Städtchen zu Fuss erkundet. Es regnete in Strömen, doch die Velofahrer machten sich tapfer an die Sarnersee-Umrundung. Die angewiesenen Posten zu finden erwies sich als schwierig, besonders, wenn man am falschen See suchte: Eine Gruppe machte eine Expedition bis nach Stansstad ehe der Irrtum klar wurde. Am meisten Posten fand eine Zweiergruppe: Melissa und Elin werden zu neuen Lieblingsschülerinnen des Gg-Lehrers.
Bei Hörnli mit Ghacktem war die Welt wieder in Ordnung und eine gewisse Müdigkeit sorgte trotz erstem Lagertag für erstaunlich gute Nachtruhe.

Am Dienstag war Bruder Klaus und etwas Vaterlandsverteidigung an der Reihe – wieder mit Velo und per Pedes. Ein verlorener Veloschlüssel strapazierte Zeitplan und Lehrernerven, doch erreichten wir am Nachmittag pünktlich die Festung Fürigen, wo wir in Gruppen durch die weitläufige Anlage geführt wurden. Die Führer boten interessante Informationen, pikante Details und präzise Antworten, ein blonder Schüler würzte das Ganze mit fein platziertem Sarkasmus. Die Heimfahrt mit dem Velo war nicht ganz so beliebt wie die Hinfahrt – der Himmel drohte mit neuem Durchnässungspotenzial – und die Velozuteilung führte zu einer kleinen Rumpelstilzchen-Szene. Es war dann aber halb so wild, die Sonne zeigte sich schnell wieder und beim Wegweiser nach Kägiswil wurde die Fotomontage auf dem Mamizettel entlarvt.

Mittwoch: Pilatus-Tag! Das Wort mit «W» war in aller Munde, denn es war klar: Es musste gewandert werden, sei es lange rauf oder kürzer runter. Die Rauf-Gruppe wurde tatkräftig unterstützt durch eine Schülerin mit Geschmack für aufpeitschende Musik. Diese wurde durch lauten – wenn auch nicht immer harmonischen – Gesang noch verstärkt und führte zu beachtlichen Marschgeschwindigkeiten. Wer nicht Singen konnte behalf sich mit tiefschürfenden Gesprächen über Details aus den Harry Potter-Romanen. Ein paar Blasen später war die Fräkmüntegg in Sicht und damit der Seilpark, der dann praktisch uns gehörte.

Die Abendessen verschoben sich jeweils etwas, da wir nach den langen Tagen selber kochten und sogar selbst gemachte Desserts geboten wurden. Grosse Abendprogramme gab das nicht mehr, aber mit zwei Jöggeli-Kästen, einem Tischtennis-Keller, einem Brändi-Dog und genügend Würfeln zum Meiern verging die Zeit schnell.

Wettermässig war der Donnerstag vom Feinsten! Strahlend ging die Sonne am Pilatus auf und wir fuhren mit der Brünigbahn auf den Pass hoch. Es folgte eine überblickbare «W»-Phase zum Ballenberg, wo in Gruppen die Baugeschichte der Schweiz erforscht wurde und teils sparsame, teils beeindruckende Bleistiftzeichnungen entstanden.
Gebadet wollte auch noch sein, obwohl der Badmeister schon fast am Abschliessen war. Der See hatte 13 Grad, das Freibad etwas mehr, doch kaum einer musste aus dem Bad geholt werden – man verliess es bald freiwillig.

In der letzten Nacht ging circa um 12 Uhr ein Alarm ab. Viele Mädchen standen verschreckt im Flur und suchten den Feuerlöscher. Bei den Knaben herrschte Totenstille und intensives Vortäuschen von Tiefschlaf – immerhin ging das Geheul auf ihrem Stockwerk los und hatte mit Feuer nichts zu tun...

Nun war die Heimreise angesagt: Rollkoffer wurden wieder gestopft, Socken verteilt und heissgewordene Steckerleisten konnten endlich abkühlen. Ein Zwischenhalt in der Glasi Hergiswil, ein Picknick am sonnigen See und dann ENDLICH: Ausgang in Luzern! (Starbucks, McDonalds, H&M, etc.)
Dass beim Umsteigen in Zürich drei Schülerinnen verloren gingen und wir letztlich in drei verschiedenen Zügen nach Winterthur gelangten, war nur ein letztes Detail einer abwechslungsreichen, anekdotenschwangeren Woche.

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